Vereinslehrgang mit Franҫois Noizée, 7. Dan FAT aus Bordeaux im Genbu-Kai Lübeck

Pünktlich zu unseren Vereinslehrgang am ersten langen Maiwochenende kam der Frühling nach Lübeck und lachte unseren Gästen aus Frankreich und Norddeutschland entgegen.

Zum zweiten Mal hatte ich unseren Freund Franҫois Noizée zu uns zu einem Lehrgang eingeladen. Auch dieses Mal brachte Franҫois einige französische Kollegen und Schüler aus seiner Region, bzw. seinem Dojo in Pessac bei Bordeaux mit. Allesamt sind sie Schüler von Maître Daniel André Brun, dem vor einigen Jahren verstorbenen Begründer der Féderation d´Aïkido Traditionnel (FAT). Uns erwartete hochklassiges Aikido mit einem Schwerpunkt auf der Arbeit mit den Waffen.

Am Samstag begannen wir unter Franҫois´Anleitung mit einem bei uns nicht im Prüfungsprogramm stehenden Angriff, nämlich dem Griff an das Handgelenk und an die Jacke. (Kata Dori) Was nun folgte, waren spannende Ausführungen bereits bekannter Techniken (Ikkyo, Nikkyo, Sankyo- aber in der Variante mit Einsatz des Oberarmes zur Fixierung-, Ude-Garami etc.) aber auch gänzlich Neues. Die Einheiten von je 2 Stunden und 15 Minuten unterbrachen wir für eine kurze Trinkpause, eine Sitte, die Franҫois von den französischen Lehrgängen mitgebrachte hatte, und die ich durchaus zu schätzen gelernt habe. Man füllt die Kohlenhydratspeicher auf und versorgt sich nicht nur mit der nötigen Flüssigkeit, sondern hat auch die Gelegenheit sich mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auszutauschen, einen Klönschnack zu halten- egal ob auf deutsch, französisch oder englisch. Dieser Aspekt der „convivialité“, des „Miteinanders“ ist den Franzosen sehr wichtig. Es trägt wesentlich zu einer guten Atmosphäre und zum Gelingen eines Lehrgangs bei. Da können wir uns von der französischen Lebensart gut etwas abschauen.

Zum Mittag ging es mit fast allen Teilnehmenden zum nahe gelegenen Italiener. Wir hatten vorbestellt und alle waren sehr zufrieden mit dem leckeren Essen. Wir hatten zum Glück eine längere Mittagspause eingeplant, da man in Frankreich wirklich immer in Ruhe isst. Die Zeit passte gerade so….

Am Nachmittag stand die Arbeit mit dem Stab auf dem Programm. Wir begannen mit der französischen Stabkata, um uns mit der Waffe vertraut zu machen. An der Waffe zeigen sich deutlich Schwächen der eigenen Technik, die Wirkmechanismen der Technik treten aber auch umso deutlicher hervor. Franҫois führte uns deutlich vor Augen, wie wichtig die Arbeit mit den Körperachsen ist. Über das Kippen der Achsen übertragen wir unser Zentrum auf Uke. Wichtig ist es, die Hebelwirkung des Stabes effektiv einzusetzen und sich bewusst zu sein, dass man mit beiden Enden arbeiten kann. Einfach wird alles, wenn man zum richtigen Zeitpunkt die Hüften dreht, wobei eine Hand vor dem Zentrum geführt wird. „Hüfte“ ist meiner Ansicht nach eh ein Schwerpunkt bzw. ein Charakteristikum von Franҫois´Arbeit. Fasziniert sehe ich immer wieder, wie viel Schwung er entfaltet, welche Dynamik entsteht, ohne dass irgendwie gezogen oder Kraft eingesetzt würde. Jahrzehnte lange Arbeit zeitigt eben Qualität. Mein Meister würde sagen: Franҫois hat einen Trainingsvorsprung….

Am Sonntag Vormittag übten wir u.a. Techniken mit dem Tanto und auch Sequenzen aus der französischen Tanto- Kata. Franҫois betonte immer wieder, wie wichtig es sei, konzentriert und aufmerksam zu sein, damit einen der Angriff nicht trifft und dass man immer rechtzeitig mit Sabaki die Linie frei machen müsse. Auch den Einsatz eines Atemi erklärte er. Hier muss auch Uke aufmerksam sein und den Kopf wirklich zurückziehen, alles andere wäre eine unnatürliche Reaktion, die verhindert, dass Nage die Technik richtig üben kann.

Timing ist gefragt, wenn es darum geht, den richtigen Zeitpunkt für die Entwaffung des Uke zu finden, verpasst man diesen, wird es oft ein „Gewurschtel bis man das Messer „erbeutet“.

Am Sonntag Nachmittag nach dem erneuten Essen beim Italiener war uns Teilnehmenden anzusehen, dass wir uns schon reichlich bewegt hatten. In etwas reduziertem Tempo stellten wir uns aber unermüdlich den weiteren Bewegungsaufgaben. Den Abschluss des Lehrgangs bildete die Arbeit mit zwei Waffen, d.h. der Abwehr einen Angriffes mit dem Schwert durch den Stab. Uns rauchte der Kopf von dem vielen guten Input. Zufrieden gingen alle nach einer kleinen Stärkung nach Hause. Die Resonanz unserer Gäste fiel durchweg positiv aus, so dass wir planen Franҫois bald wieder zu uns in den Genbu-Kai Lübeck einzuladen.

Frauke Drewitz, Genbu-Kai Lübeck e.V.